Montag, 12. Februar 2018

Was ist "Rising Sun"?

Heute möchte ich ausnahmsweise mal kein RPG, sondern ein neues Brettspiel vorstellen. Rising Sun wurde von CMON entwickelt und letztes Jahr mittels Kickstarter finanziert. Eigentlich sollte es erst in etwa 2 Monaten ausgeliefert werden, aber die Entwicklung ging schnell voran, sodass wir es schon jetzt spielen können.


Rising Sun ist der Nachfolger von Blood Rage, einem Area Control Game, das während Ragnarök stattfindet. Dort bekämpfen sich Vikinger, während jede Runde ein neues Gebiet zerstört wird und die Toten immer wieder aus Valhalla zurückkehren. Rising Sun ist nicht ganz so apokalytisch. Es spielt in Japan, entsprechend spielt man 3-6 verschiedene Clans. Während Blood Rage den Kampf sehr stark in den Fokus legt, ist Rising Sun hier ein wenig politischer.


Spieler können sich miteinander verbünden und sich auch wieder verraten. Man spielt jeweils 3 Seasons - Frühling, Sommer und Herbst -, in denen man zunächst Ressourcen sammeln und seine Armee aufstellen kann. Am Ende jeder Season kommt es dann zum Kampf. Hierbei stehen jedem Spieler 4 Handlungsoptionen zur Verfügung, doch nur derjenige, der das meiste Geld darauf bietet, darf die jeweilige Aktion auch durchführen! Ob man nun Seppuku begeht, Geiseln nimmt oder Ronin anheuert, es wird hinter einem kleinen Wandschirm geboten und dann verglichen. Haben mehrere Spieler gleich viel geboten, entscheidet die höhere Ehre.


In jeder Season wird neu ausgehandelt, wer sich mit wem verbündet. Das geht nicht nur mit Worten, es dürfen ruhig auch Coins oder Ronins versprochen und getauscht werden. Ohne die Verhandlungen, so haben wir bereits festgestellt, fehlt dem Spiel eine sehr wichtige Komponente! Mit den Mitspielern zu verhandeln ist das, was das Spiel so interessant macht und am stärksten von Blood Rage unterscheidet. Nach dem Herbst kommt noch die Winter Season, in der jedoch nur noch Bilanz gezogen wird, wer die meisten Provinzen erobert hat. Das bringt noch einmal ordentlich Punkte, dann ist das Spiel vorbei.


Das Spiel gibt es übrigens nur auf Englisch zu kaufen. Wer also keine englischsprachigen Anleitungen mag, wird wohl auf eine Fanübersetzung warten müssen. Ansonsten besteht jeder Clan aus 1 Daimyo (Anführer, schwarzer Ring), 3 Shinto (Mönche, weißer Ring) und 6 Bushi (Krieger). Über den Kickstarter wurden Alternativmodelle für die Bushi freigeschaltet, sodass es 2x3 verschiedene Figuren gibt.


Die Core Box allein enthält bereits eine ganze Menge Zeug: 5 Clans, 8 Monster und etliche Papptokens. Wer nicht beim KS mitgemacht hat, wird sich vermutlich mit der Pappversion zufriedengeben müssen, denn nur diejenigen, die beim Kickstarter mitgemacht haben, haben eine aufgewertete Version der Tokens aus Plastik bekommen.


Hier ein paar der Core Monster: Der Komainu, welcher einen zusätzlichen Shinto darstellt.


Onis sehen sehr bedrohlich aus und sind es auch: Sie geben demjenigen mit der niedrigsten Ehre besonders viele Boni.


Ihre Fähigkeiten reichen von erhöhter Stärke über das Stehlen von Siegpunkten bis hin zur Vernichtung gegnerischer Figuren, sobald sie ins Spiel kommen.


Damit sind sie ernstzunehmende Gefahren für die Spieler, die eine hohe Ehre besitzen.


Doch auch Kreaturen des Guten sind nicht zu verachten: Der Waterdragon kommt mit Stärke 5 daher, einem Wert, den kein anderes Monster erreicht. Doch selbst er kann im Kampf gefangengenommen werden, man sollte sich also nicht nur auf ihn verlassen. Schrecken verbreitet sein Auftritt trotzdem.


Beachtenswert finde ich den Detailreichtum der Figuren! Die meisten sind in einem Stück gegossen und selbst die, die es nicht sind, wurden bereits zusammengefügt. Man muss also nichts selbst zusammenbauen. Liebhaber von schönen Figuren und leidenschaftliche Figurenbemaler finden allein durch die Figuren gewaltige Freude. Mich selbst haben sie inspiriert, endlich weiter zu üben, damit ich sie möglichst schön hinbekomme.


Hier sieht man noch einmal alle Tokens, die im Core dabei sind. Fast alles, was ihr hier seht, haben Kickstarter-Unterstützer in Plastikform erhalten. Wer das Spiel aber noch nachkaufen möchte, dem kann gesagt sein: Die Pappe ist dick und widerstandsfähig, sollte also nicht so leicht kaputtgehen. Die Aufwertung ist vor allem ein optisches Gimmick.


Hier sieht man vier der fünf Clans aus dem Core: Lotus, Bonsai, Libelle und Koi. Die weiter oben gezeigten Figuren gehören zum Schildkrötenclan.


Ebenfalls für alle zu erwerben ist das Monster Pack. Es beinhaltet vier neue Monster mit sehr interessanten Fähigkeiten.


Jinmenju erinnert die KDM Spieler möglicherweise an den Lonely Tree und wurde von ein paar Kennern bereits als dessen "kleiner Bruder" bezeichnet. Dieser gesichtertragende Baum gibt seinem Spieler die Möglichkeit, ihn wie eine Festung zu benutzen, denn normalerweise kann man nur zu seiner Festung Einheiten rekrutieren.


Die Spinnenfrau Jorogumo übernimmt eine gegnerische Figur im Kampf, was die Siegeschancen extrem verschieben kann.


Wenn es einen Wasserdrachen gibt, muss es auch einen Feuerdrachen geben. Und auch, dass er eine eigene Figur tötet, kann zum Vorteil des Spielers gereichen.


Und zuletzt gibt es da einen weiteren Oni, der natürlich wieder denjenigen mit geringer Ehre Vorteile bringt. Dieser hier verhindert, dass Gegner ihre Figuren in seine Provinz setzen können.


Eine weitere Minierweiterung, die man dazukaufen kann, ist die "Kami Unbound" Box. Im Grundspiel werden aus den 7 Kami jeweils 4 zufällig ausgewählt, die demjenigen, der sie am stärksten anbetet, Boni geben.


Die Box gibt den Göttern neue Möglichkeiten und Fähigkeiten. Sie kommen nun in Form von Figuren auf das Schlachtfeld und erhalten dort neue Effekte, allerdings zu einem gewissen Preis.


Neben diesen zwei Erweiterungen, die wie gesagt im Handel erwerbbar sein werden, gab es im Kickstarter noch einen ganzen Haufen Extras: Ein weiterer Clan, ein zusätzliches Kartenset, weitere, exklusive Monster und die Aufwertung der Papptokens zu Plastik.


Da es sich um so viele Zusätze handelt, wurde eine komplette neue Box gebastelt, wo all diese Spielereien hineinkamen. Sie ist so groß wie das Core!


Hier habt ihr den Fox Clan. Seine Spezialfähigkeit erinnert stark an die Loki-Taktik aus Blood Rage. Die verschlagenen Füchse haben wenig Ehre, können sich aber in jeden Kampf einmischen.


Die sogenannten Mandate, die reihum gewählt werden, wurden ebenfalls zu Plastiksteinen aufgewertet. Sie sind extrem dick und erinnern stark an Mahjongsteine, was ziemlich cool ist!


Dazu kommen diese 10 neuen Monster:


Der schlangenhafte Earth Dragon, der gerade eine Komainu-Statue zerstört.


Daikaiju oder auch Godzilla.


Ein Pandakrieger.


Den unbesiegbaren Phönix.


Und viele andere. Aber zurück zu den Token. Bei einem Bündnis legt man seine Yin und Yang Marker aneinander. Für die Baker gab es eine grandiose Aufwertung dieser in dicke, schwere Plastikteile. Auch die Marker, welche die Reihenfolge der Kämpfe markieren, wurden aufgewertet: Zu Fähnchen!


Ich finde, es sieht einfach mega toll aus und hat sich wirklich gelohnt!


Und natürlich dürfen auch die Festungen der Spieler, die Strongholds, nicht fehlen! Statt flacher Pappmarker gibt es für uns Monopolyhäuschen und besonders imposant ist die bewegliche Festung des Turtleclans!


Nochmal zum Vergleich:


Da hat sich das Mitmachen wirklich gelohnt, finde ich. Aber wie sieht nun all dies aufgebaut aus? Und wo ist das Spielbrett? Das gab es natürlich auch und natürlich habe ich für euch auch einen Einblick:


Hier sieht man nun das Spielbrett mit allem, was man so zum Aufbau benötigt. Übrigens gibt es noch eine große Erweiterung, in der zwei weitere (chinesische) Clans eingeführt werden, die habe ich mir allerdings nicht geholt, da ich mir über das Balancing nicht sicher war. Aber auch so reichen die 5 oder 6 Clans vollkommen aus, um sich eine ganze Weile zu beschäftigen.


In jeder Season gibt es einige Karten zu erwerben, die den eigenen Clan verbessern. Auch Coins und Ronin-Tokens sollten griffbereit liegen, am besten füllt man sie in eine kleine Schale. Man konnte sich zwar auch Metallcoins kaufen, die waren mir aber zu teuer, also habe ich nur die Standard Plastikvariante. Die Ronin-Token dagegen sind von Pappe auf dickes Plastik aufgewertet worden.


Jeder Clan hat eine Startprovinz und beginnt das Spiel mit einem Stronghold, einem Bushi und seinem Daimyo. Die Reihenfolge der Kämpfe wird bei Spielbeginn per Zufallskärtchen festgelegt.


Zu Beginn des Spiels verhandelt man etwas und legt dabei möglicherweise auch ein Bündnis für die jeweilige Season fest - oder auch nicht, wie Fox und Bonsai in diesem Bild zeigen. Die anderen vier Clans haben sich dagegen jeweils einen Bündnispartner gesucht, da dies einige Vorteile bringen kann.


Am Ende einer Season kann das Spielfeld schon ganz schön bunt aussehen. Je nachdem, welche Mandate gespielt wurden, kann sich die Dichte an Figuren stark unterscheiden. Hier ist sie noch recht moderat trotz sechs Spielern.


Nach dem Kampf sieht das Spielfeld wieder ein bisschen aufgeräumter aus, die Figuren bleiben jedoch stehen und bieten so die Ausgangslage für die nächste Season.

Fazit

Ich hoffe, ihr habt einen halbwegs brauchbaren Überblick gewonnen, auch wenn ich nicht sonderlich detailliert auf die Spielmechaniken eingegangen bin. So oder so, Rising Sun ist wunderschön gestaltet. Es eignet sich für 3-6 Spieler, wenn man denn so viele Clans besitzt. Man kann Bündnisse eingehen, muss man aber nicht. Besonders wichtig ist es, mit anderen Spielern zu verhandeln, um eigene Ziele besser zu erreichen. Ein wenig Betrügen muss man dabei sicherlich auch, sonst macht es nur halb so wenig Spaß. Oder man spielt ganz friedlich, denn auch so kann Rising Sun durchaus interessant sein. Besonders das verdeckte Bieten in der Kampfphase sorgt immer wieder für überraschende Wendungen, sodass man sich seiner Sache nie ganz sicher sein kann.

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