Mittwoch, 17. Oktober 2018

Cthulhu: 12 Apostel (Teil 3)

Endlich ist es soweit: Das Finale von 12 Apostel bahnt sich an. Können die Charaktere der Irrenanstalt entkommen und die düstere Zukunft, die sie gesehen haben, verhindern? Oder wird die Azathoth-Blume erblühen und die Welt ins Chaos stürzen? Findet es heraus!


Es ist der 13.3. und die Gruppe wird zu ihrem 3. Gespräch mit Doktor Bonnhöfer gerufen. Alle haben das Gefühl, diese Situation schon hunderte Male durchlaufen zu haben und versuchen, sich bestmöglich zu verhalten. Mit etwas Geschick erwirkt man zumindest das Recht, in den Garten zu dürfen und an neuen Aktivitäten teilnehmen zu können. Die Aussicht, entlassen zu werden, besteht allerdings erst in 2 Wochen...

Plötzlich bewegt man sich auf den Straßen Berlins. Es ist immer noch der 13. und die Gruppe hat das Gefühl, schon ewig unterwegs zu sein. Man will sich auf den Weg zum Institut machen, als Roland merkwürdige Plakate auffallen, auf welchen Maranata steht. Das T des Wortes erinnert aufgrund der verschnörkelten Schriftart verdächtig an eine Narrenkappe. Schließlich entdeckt man den jungen Mann, der die Plakate anklebt und verfolgt ihn durch eine Menschenmenge. Dabei entwendet Rudolf ein Fahrrad und Ernst und Roland geraten mit der Menge aneinander. Die Leute sind aufgebracht und rufen nach der Polizei. Am Ende jedoch können sie den Mann stellen und in eine Seitengasse drängen. Der Fremde ist verschreckt, was durch Ernst' Drohverhalten nicht besser wird. Schließlich stellt man jedoch fest, dass Ruge der Anführer einer Glaubensgesellschaft "12 Apostel" ist. Man überredet den Mann, sie zu Ruges Haus zu führen.

Dort trifft die Gruppe jedoch nur den verärgerten Vater, welcher mit seinem missratenen Sohn nichts zu tun haben will. Die Mutter dagegen ist froh, Neuigkeiten von ihrem Sohn zu hören, Ruge ist jedoch nicht zuhause. Sie berichtet nur von einer Bibel, in die er immer hineingeschrieben hat, will diese den Fremden aber nicht geben. Sie ziehen daher weiter zur 12 Apostel-Kirche in Schöneberg, der Plakatierer, Emil, ein Anwärter der Kirche, zeigt ihnen den Weg. Da durch das Chaos auf der Straße die Polizei auf die Gruppe aufmerksam geworden ist, läuft man durch das U-Bahn-Netzwerk der Stadt.

Dann findet sich Ernst plötzlich unter einem Haufen Wäsche wieder. Anscheinend will er der Irrenanstalt über den Wäscheschacht oder einen Lüftungsschacht entkommen. Elisabeth sitzt derweil allein im Speisesaal und wird von Viktor bedroht, was sie jedoch mit Drohungen ihrerseits kontert. Roland findet sich derweil allein irgendwo in Berlin wieder und geht zu einem Kiosk, um sich eine Stadtkarte zu kaufen. Er stellt allerdings fest, dass er kein Geld mehr hat und stiehlt die Karte einfach. Ernst klettert durch den Lüftungsschacht und fällt plötzlich in den Speisesaal hinein, obwohl dort gar kein Ausgang ist. Elisabeth ist völlig verwirrt, entdeckt dann aber den Mann mit der Narrenkappe, welcher seinen Koffer provokativ direkt neben ihr abstellt. Ernst schnappt sich die Frau mit der Violine und tanzt mit ihr, will dabei den Fremden rammen, fällt jedoch bei dem Manöver hin. Elisabeth berührt den Koffer, hat dann aber einen nervlichen Zusammenbruch, weil das Leder zu leben scheint. Roland findet sich in einem U-Bahn-Schacht wieder und wird von einem herannahenden Zug überfahren. Elisabeth verschwindet vor Ernst' Augen und der Narr geht mit einem Messer auf ihn los und sticht ihm in die Brust.

Dann sind alle wieder bei Emil, der durch das plötzlich so merkwürdige Verhalten der anderen dermaßen Angst bekommt, dass er wegrennt. Trotz allem findet die Gruppe zur Kirche, wo sie auf den Kämmerer trifft. Ernst behauptet vor ihm, sein Dolchstich sei ein Stigma, woraufhin die anderen nur mit den Augen rollen. Der Kämmerer verbindet die Wunde erst einmal, dann spricht man über die Pläne von Ruge. Anscheinend will er um 11 Uhr auf der Konferenz die Wahrheit über Gott verbreiten und Jesus soll erneut gen Himmel fahren. Ruge ist leider nicht vor Ort, seit seiner Entlassung hat ihn niemand mehr gesehen. Ihm soll aber ein schwarzer Engel erschienen sein, welcher ihm das Buch mit sieben Siegeln überreicht hat.

Als die Gruppe die Kirche verlässt, ist es Nacht, obwohl noch gar nicht so viel Zeit vergangen sein kann. Da die Zeitsprünge glücklicherweise nicht mehr so schlimm sind wie zuvor, ignoriert man diesen und beschließt, sich schon einmal beim Institut umzusehen. Plötzlich ist man wieder im Jahr 1929, es ist dunkel und vor dem Gebäude, in dem man sich verbirgt, hört man Kreaturen herumschleichen. Elisabeth und Roland beginnen langsam, sich zu verändern, ihre Haut wird fahl und Ernst und Rudolf beschließen, die beiden zu töten, sobald es nötig wird. Insgeheim ist auch Rudolf mutiert, er ist stärker und ausdauernder geworden, doch das hat Ernst nicht bemerkt.

Dann steht man vor dem Institut. Die körperlichen Veränderungen sind auch hier sichtbar, doch die Freunde beschließen, sie zu ignorieren. Man sieht sich die Gebäude eine Weile an und überlegt, ob man einbrechen soll, lässt das dann aber in Anbetracht der Wachmänner im und um das Gebäude. Stattdessen steigt man in einem Hotel ab. Rudolf telefoniert durch verschiedene gehobene Hotels, um herauszufinden, in welchem davon Joffe abgestiegen ist, doch er hat kein Glück.

Am nächsten Tag begeben sich die vier Zeitreisenden zur Radiumkonferenz und mischen sich unter die Leute. Von einigen Studenten erfahren sie, dass Joffe um 11 Uhr einen Vortrag über Schwarze Körper halten wird, also Körper, welche Licht komplett aufnehmen, ähnlich wie ein schwarzes Loch. Allerdings taucht nun ein Problem auf: Polizeibeamte durchkämmen das Gebiet mit Steckbriefen der vier entflohenen Insassen der Irrenanstalt. Während die drei Männer sich erfolgreich einschmuggeln können, wird Elisabeth geschnappt. Sie kann sich allerdings herausreden und lässt die reiche Tochter heraushängen, woraufhin man sie laufen lässt. Ein Beamter folgt ihr aber unauffällig. Da sie etwas dergleichen erwartet, setzt sie sich gezielt woanders hin als der Rest der Gruppe, als sie endlich den großen Hörsaal betritt.

Nun rächt sich bitter, dass die Gruppe keinen genauen Plan aufgestellt hat, wie sie vorgehen will. Jeder sitzt woanders und jeder agiert für sich. Ernst hält nach Ruge Ausschau, während Roland einen Zettel schreibt. Professor von Laue, der Leiter der Veranstaltung, hält seine Begrüßungsrede und Roland hält sein Schild hoch, auf dem steht, Einstein schicke ihn und sie müssten dringend reden. Als Laue sich durch eine Tür neben dem Podium zurückzieht, wird Roland tatsächlich zu ihm durchgelassen. Als Rudolf dies beobachtet, schwant ihm schlimmes, da Roland oft nicht sehr bedacht agiert und geht hinterher. Ernst und Elisabeth behalten derweil die Lage im Hörsaal im Auge.

Noch bevor Rudolf zu Laue gelangt, hat Roland ihm seinen Arm gezeigt, was den Professor ziemlich erschreckt. Nur mit Mühe kann Rudolf ihn beruhigen, doch als Roland auch noch beginnt, sich in den Arm zu stechen, um einen Beweis für seine Verbindung mit Einstein zu erhalten, erleidet der ältere Herr einen Herzanfall.

Im Hörsaal tritt der Narr ein und stellt seinen Koffer irgendwo auf die Stufen, dann macht er sich wieder auf den Weg nach draußen. Aktuell geht die Gruppe davon aus, dass - da das Ereignis gegen 11 Uhr stattfindet - entweder Ruge oder Professor Joffe seinen Koffer dort platzieren muss, wo der Narr seinen Koffer hingestellt hat, um die Katastrophe auszulösen. Ernst will sich daher den Koffer schnappen, während Elisabeth in Richtung Ausgang geht, in der Hoffnung, den Narren zu rammen und damit herauszufinden, ob er real ist oder nicht. Doch wie fast jedes Mal bildet sich eine Menschenmenge um den Fremden und er verschwindet darin.

Elisabeth geht trotzdem nach draußen, wo sie auf Ruge und seine Anhänger trifft. Sie versucht, ihn zu überzeugen, sein Vorhaben zu unterbinden und erzählt, dass er betrogen wurde, doch in seinem religiösen Wahn hört der Mann gar nicht hin. Er geht in den Hörsaal, wo Ernst ihn entdeckt, aber durch die vielen Leute kein Schussfeld bekommt. Unten bereitet sich Joffe auf seinen Vortrag vor und Rudolf ruft nach einem Arzt. Nur ein Medizinstudent meldet sich, bekommt aber einen Nervenzusammenbruch, als er den kollabierten Laue sieht. Jetzt entdeckt Rudolf auch Joffes Koffer, der genauso aussieht wie der des Narren. Und wie der von Ruge, welcher oben steht und Gott preist, während Elisabeth erfolglos versucht, ihm den Koffer zu entreißen.

Dann bricht vollkommenes Chaos aus. Ernst schafft es, näher an Ruge heranzukommen. Auf seinen Schrei hin lässt sich Elisabeth zu Boden fallen und der ehemalige Soldat erschießt den religiösen Eiferer. Gleichzeitig versucht Rudolf, Joffe dessen Koffer wegzunehmen, doch dieser wirft ihn in die Menge und rangelt mit dem Reichen. Roland sprintet dem Koffer hinterher, doch durch den Schuss ist die Menge in Panik ausgebrochen und rennt wild durcheinander.

Elisabeth zieht den Koffer unter dem toten Ruge hervor und widersteht dem Drang, ihn zu öffnen. Sie rennt nach draußen, wo er ihr aus der Hand gerempelt wird und sie ihn verzweifelt suchen muss. Roland schafft es drinnen, Joffes Koffer an sich zu nehmen und flieht ebenfalls, allerdings in eine andere Richtung. Ernst und Rudolf wollen sich nun noch den Koffer des Narren holen, welcher unter einen Sitz gerutscht ist, aber ein paar Anhänger Ruges stürzen sich wutentbrannt auf den Mörder ihres Anführers. Der Soldat erschießt zwei von ihnen, während Rudolf den Koffer an sich nimmt und aus dem Fenster springt. Glücklicherweise befinden sie sich im Erdgeschoss.

Elisabeth entkommt der Menge, sucht nun aber einen Weg zurück zu ihren Gefährten. Tatsächlich trifft sie auf Ernst, der jedoch keine Ahnung hat, wo die anderen derzeit sind. Sie suchen einen Fluss, um den Koffer wegzuspülen, haben dann aber Zweifel, ob die anderen nicht dasselbe tun und sich die Koffer dann doch treffen. Also wollen sie ihren verbrennen. Rudolf sucht derweil eine Baustelle auf, wirft den Koffer in ein Loch und wirft Erde darüber.

Roland schafft es an einen kleinen Bach und hält den Koffer unter Wasser. Auf seinem Arm erscheint die Anweisung: Öffnen. Als er das tut, entdeckt er im Inneren merkwürdige, okkulte Symbole, einen von Blut benetzten Kristall und ein schlagendes Herz, welches immer schneller schlägt. Panisch schaut der Chauffeur auf seinen Arm, doch es gibt keine weitere Anweisung. Blind hoffend, das richtige zu tun, reißt er das Herz aus seiner Befestigung. Blut spritzt und benetzt den Kristall, woraufhin er in einer gewaltigen Explosion zu einer Blume Azathoths erblüht...

Fazit

Ein sehr schönes Szenario! Abgesehen von dem etwas langsamen Anfang hat man sich an keiner Stelle gelangweilt und hat immer gerätselt, was nun hinter all den Seltsamkeiten steckt. 

Wir haben 12 Apostel übrigens nach Cthulhu 7 gespielt, die Actionszenen jedoch auf Nemesis adaptiert, da das Kampfsystem dort um einiges schneller abläuft. Die Adaption der Werte ist auch sehr leicht, da man die Prozentzahlen von Cthulhu problemlos auf die Erfolgswahrscheinlichkeiten von Nemesis übertragen kann.

Das Szenario ist eigentlich linear aufgebaut. Man beginnt also im Jahr 1929, trifft dort auf Einstein, reist zurück, landet in der Klapse, bricht aus und geht auf die Konferenz. Der Autor selbst gibt aber auch Ideen für den alternativen Verlauf, den wir gewählt haben. Und vermutlich aufgrund unserer Annahmen, dass wir auch durch verschiedene Dimensionen springen, hat der SL auch damit ein wenig gespielt, im Szenario ist tatsächlich nur die Zeitreise vorgesehen. Ich fand es gut, dass wir mit den Zeitsprüngen gespielt haben, da so nicht von Anfang an klar war, worum es eigentlich geht, was unsere Aufgabe ist und wie es überhaupt dazu gekommen ist. Wir haben auch einige Szenen wie den Ausbruch übersprungen, wofür ich sehr dankbar bin, dafür hatten wir ja viele merkwürdige Zwischensequenzen, die unsere Charaktere an ihrem Verstand zweifeln ließen.

Was die Charaktere besonders aufgewühlt hat, war der Narr. Was ist er, warum sehen nur wir ihn, was ist mit seinem Koffer? Damit spielt er seine Rolle schon perfekt, denn das ist alles, was er tut: Die Charaktere zum Narren halten. Er ist ein Avatar des Kriechenden Chaos und ist nichts weiter als eine Ablenkung. Ich wüsste nicht, wie man das großartig herausfinden soll und eigentlich ist es auch schöner, wenn man es bis zum Schluss nicht weiß. Dadurch wird das Verwirrspiel noch größer.

Über das Ende lässt sich jetzt ein wenig streiten. Im Buch sind zwei Bedingungen für die Entschärfung der Bombe angegeben: Magische Symbole oder Kristall entfernen. In den Sequenzen der apokalyptischen Zukunft hätten wir mitbekommen können, dass die Kreaturen und Mutanten derartige Kristalle für ihre Waffen benutzen. Da das bei uns aber gar nicht vorkam, fehlte uns dieser Hinweis einfach. Unser SL hatte zusätzlich für sich festgelegt, dass die Entfernung des Herzens automatisch zur Explosion führt. Die eigentliche Bedingung für die Entstehung der Azathoth-Blume ist, dass der Kristall vollständig mit dessen Blut benetzt ist. Vielleicht hätte man es noch hinbiegen können, dass, da der Koffer unter Wasser gehalten wurde, das Blut heruntergespült wurde und beim Herausreißen des Herzens deshalb nichts passiert. Aber ganz ehrlich, ich finde es gar nicht so schlimm, dass wir keinen Erfolg hatten. Es passte super zu der Gesamtgeschichte, in der die Charaktere ja anscheinend auch durch verschiedene Welten gesprungen sind oder es sich zumindest so anfühlte.

Insgesamt kann ich also sagen: Wer Zeitreisen mag, für den ist das Szenario super. Es bietet zwei Möglichkeiten, je nach Vorliebe: Linearer Verlauf oder Verwirrspiel ohne Erinnerungen. Es gibt einige moralische Entscheidungen zu treffen und man kann sich bis zum Ende nicht sicher sein, wer nun der wahre Täter ist. Außerdem wird eine gute Abwechslung zwischen Action und Recherche geboten. Ein sehr schöner Dreiteiler, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Übrigens gibt es auch Anregungen zu einer Kampagne in den Dämmerlanden. Wer sich also von der düsteren Zukunftswelt angesprochen fühlt, bekommt durchaus Möglichkeiten geboten, diesen Teil noch zu vergrößern.

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