Montag, 1. Mai 2017

Cthulhu: My little sister wants you to suffer

Es ist schon etwas her, aber ich versuche trotzdem nochmal, einen Bericht zu dieser Runde zu schreiben, da sie sehr unterhaltsam war. Das Abenteuer heißt "My little sister wants you to suffer" und findet sich im Cthulhu Britannica. Wir haben es damals nach dem Dämonen-Szenario Amnesia gespielt, um einen Vergleich der Amnesie-Thematik zu haben. Das Szenario bietet insgesamt 6 Pre-Gens - 4 männiche und 2 weibliche, wir haben es nur mit 4 Spielern gespielt.


Die Charaktere

Jennifer Trump ist eine übergewichtige Frau, die anderen nur schwer vertraut und sich gerne zur Anführerin der Gruppe aufschwingen möchte. Sie liebt Süßes.

Thomas Hamilton ist anders als die anderen Mittdreißiger gerade einmal 20 Jahre alt. Er hat blondgefärbtes Haar, eine leichte Bräune und ist sehr muskulös.

Michael Nash hat etliche Tattoos und ist ziemlich muskulös. Er hat außerdem ein ziemliches Temperament, das von Zeit zu Zeit durchbricht.


Jonathan Caddick ist stark gebräunt, ansonsten aber recht durchschnittlich gebaut. Er erwacht mit dem Bedürfnis, etwas zu rauchen.

Die Geschichte

Nacheinander erwachen die Charaktere in einer Art Kälteschlapfkapsel. Sie sind vollkommen nackt und mit Kabeln mit ihrer Maschine verbunden. Nachdem sie sich von den Kabeln gelöst haben, treten sie in einen recht kühlen Raum, in dem es noch weitere dieser Kapseln gibt. Vor allem Jennifer ignoriert diese zu Anfang und geht zu den Spinden am Ende des Raumes. Michael beobachtet sie kritisch. Er traut keinem der anderen. Die Spinde sind namentlich gekennzeichnet und es gibt mehr Spinde, als Personen wach sind. Einige der Spinde lassen sich zu diesem Zeitpunkt nicht öffnen. Jennifer glaubt zunächst, sie seinen vielleicht auf Kur und die Kapseln seien eine Entgiftungsmaschine. Aus ihrem Spind holt sie ein paar Sachen zum Anziehen und ein Taschenmesser, das sie in ihrem Overall versteckt. Für einen der Männer ist leider nichts zum Anziehen da, dafür aber eine Box mit Schokolade, seltsamen Filmdosen und drei Kondomen. Die Schachtel hält er sich vor sein Gemächt, um wenigstens etwas bedeckt zu sein. Jonathan entdeckt noch Zigaretten, von denen er sich natürlich gleich eine ansteckt. Nun fällt auf, dass das Glas einer der Kapseln von innen zerschlagen wurde. In einer anderen, die Jennifer ausversehen öffnet, liegt eine verfaulte Leiche. Die meisten der anderen Kapseln sind leer, doch in einer liegt noch ein Mann, der sich nicht wecken lässt, in einer anderen ein Alien oder Mutant. Statt Armen hat es Tentakeln mit Saugnäpfen und die Haut ist schwammig und grün. In seinem offenen Mund hat es nadelspitze Zähne und sein gesamter Körper ist mit eitrigen, gelben Pusteln übersäht. Niemand wagt es, das Ding anzufassen. Allerdings wird nun rege diskutiert, ob man es liegenlassen oder besser fesseln oder gar töten sollte. Jennifer beobachtet diese Dskussion eher passiv und lässt die Männer sich die Hände schmutzig machen, als diese nach einigem Hin und Her dan doch beschließen, das Mutantenwesen könne der Gruppe in de Rücken fallen. Also tun sich die Männer zusammen und strangulieren es mit den Kabeln aus ihren Kapseln und hacken mit Glasscherben auf seine Augen ein. Dass sich Thomas dabei mit einer Nadel sticht, fällt nur dem skeptischen Michael auf, der daraufhin nur noch mehr darauf bedacht ist, Vorsicht walten zu lassen. Jonathan dagegen macht sich ein wenig an Jennifer heran, die jedoch abblockt.

Da das Ungeheuer nun ausgeschaltet ist, versuchen die verwirrten Personen die verschlossenen Spinde mit den zuvor in den Spinden gefundenen ID-Karten zu öffnen. Bei dem Versuch gehen allerdings plötzlich die Lichter aus und es wird deutlich kälter. Sofort verstecken sich alle, aus Furcht, ein Alien können nun kommen und sie töten wollen, weil sie aus seinem Experiment entwischt sind. Mittlerweile befürchten alle, sie seien Versuchskaninchen von Aliens oder verrückten Wissenschaftlern. Als das Licht wieder angeht, schleichen sie aus dem Raum hinaus auf einen langen Flur, wo sie etliche, winzige Überwachungskameras finden, die allerdings gut versteckt sind und zunächst nur von Thomas und Michael bemerkt werden. Diese sind jedoch ausgeschaltet. Jennifer mutmaßt, dass es eine Katastrophe oder einen Stromausfall gab und sie deshalb hier vergessen oder zurückgelassen wurden. Sie entscheidet, dass die Gruppe zunächst nach rechts gehen sollte, woraufhin Michael Kontra gibt und fragt, warum nicht links. Jennifer erklärt, dass man in einem Labyrinth immer an einer Seite entlanggehen sollte und ihre Wahl zufällig war. Die anderen stimmen ihr zu, also geht es rechts entlang. Immer wieder flackert das Licht, es scheint, dass die Anlage nicht mehr die jüngste ist.

Auf der Seite endet der Gang in einer Gabelung, die zu zwei Türen mit Guckloch führt. Hinter beiden liegen Gewächshäuser. Das eine ist allerdings wohl nicht mehr intakt, die Pflanzen sind alle verdorrt. Das andere dagegen ist überwuchert und die Pflanzen sehen teilweise etwas abnormal aus. Außerdem entdeckt die Gruppe einen großen Roboter im Raum, der wohl für das Bewässern und Schneiden der Pflanzen zuständig ist. Aus Angst, er könne aggressiv agieren, will niemand den Raum betreten. Und dann schießt aus einer Ecke zwischen den Pflanzen plötzlich ein weiteres Alien, vermutlich das aus der Stasiskapsel entwischte, hervor und hämmert wie wild gegen die Tür, die glücklicherweise nicht sofort nachgibt. Während ein Großteil der Gruppe sofort flüchtet, bleibt Jonathan noch einen Moment zurück und beobachtet das Wesen genauer, in der Hoffnung, etwas darüber herauszufinden. Als dann allerdings die Tür langsam nachzugeben beginnt, folgt er seinen Kumpanen dann doch. Panisch flieht die Gruppe in die entgegengesetzte Richtung und findet sich vor einer weiteren Gabelung wieder. Eine Tür führt in den Computerraum, ist allerdings mit einem komplexen Symbolcode gesichert. Also zieht man sich in den anderen Raum zurück und verriegelt die Tür. Drinnen stehen Regale voller Kanister, von denen Jennifer einige vor der Tür drapiert.

Tatsächlich sind nun auch ein paar Erinnerungen zurückgekehrt, hauptsächlich jedoch an scheinbar irrelevante Geschehnisse. So erinnert sich Jennifer ein wenig an ihren Job, dass sie eine Uniform trug und dass sie Macht über Menschen hatte. Michael erinnert sich daran, dass er Jennifer kennt und sie als starke Frau respektiert. Thomas wiederum kann sich an seine Zeit als Surfer erinnern, an den Strand und die Sonne.

Nun sieht sich das Grüppchen genauer im Raum um. In der Mitte gibt es eine seltsame Säule mit zwei Steckplätzen. Als Jonathan einen der Kanister öffnet, entdeckt er darin ein Gehirn, vermutlich ein menschliches. Schreiend schmeißt er den Kanister zu Boden und das Hirn schwappt auf den Boden. An ihm sind Kabel befestigt, deren Enden sich in die Steckplätze an der Säule anschließen lassen. Nach dem ersten Schrecken vermutet einer der Männer, dass es sich eher um Schweinegehirne handelt. Versuchsweise stecken sie eines der anderen Gehirne ein, woraufhin sie eine Stimme hören. Es ist ein kleines Kind, Jonathans kleine Schwester, die wütend auf ihn ist. Er will das zunächst nicht glauben, erinnert sich auch gar nicht an eine Schwester. Beim nächsten Gehirn hört man einen Soldaten schreien. "Wir werden überrannt!" Tatsächlich scheint er auf die Gespräche der Gruppe zu reagieren, doch dann wiederholt sich seine Ansprache und man testet das nächste Hirn. Nun spricht man mit einer Frau, die sich gerade beim Einkaufen befindet. Sie antwortet direkt und scheint sich auch gar nicht zu wundern, mit wem sie da spricht. Dann wiederum finden sie das Gehirn eines Mannes, der fragt, warum es so dunkel ist und was hier los sei. Er spüre seine Beine nicht und könne die Augen nicht öffnen. Langsam wird er panisch. Man verspricht, ihn mitzunehmen und ihm einen neuen Körper zu suchen, ehe man ihn schleunigst abstöpselt.

Dann wird die Gruppe unterbrochen, als das Alien wild gegen die Tür zu hämmern beginnt. Alle bewaffnen sich irgendwie mit Kanistern oder deren Deckeln. Als das Hämmern aufhört, linst Jennifer vorsichtig durch die Tür. Das Alien liegt regungslos am Boden. Entweder ist es tot oder es stellt den Menschen einen Hinterhalt. Vorsichtshalber beschließt man, Kanister auf es zu werfen, woraufhin es die Gruppe anspringt. Im Kampf ist jeder darauf bedacht, nicht mit dem Ding in Berührung zu kommen, da es ebenfalls etliche widerliche Pusteln am Körper hat. Nach einem kurzen, nervenaufreibenden Kampf wird es aber schließlich von den Menschen erschlagen, genauer gesagt schlägt Jennifer ihm den Schädel mit einem Kanister ein. Sie bemerkt auch, dass seine Haut sehr gummiartig wirkt, hält dies aber für die Haut des Aliens und belässt es dabei. Die anderen notieren derweil die Symbole, welche sie am Bein des Mutanten finden und öffnen damit endlich die Tür zum Computerraum, während das Licht weiterhin und immer häufiger bedrohlich flackert und von Stromproblemen zeugt.

Im Computerraum findet man hinter merkwürdigen Glaskolben, in denen Flüssigkeiten aufsteigen, ein totes Alien auf einem Stuhl. Es sieht allerdings anders aus als das, was die Gruppe angegriffen hat. Es hat große, schwarze Augen und eine gräuliche Haut, eben wie ein Stereotyp-Alien. Es gibt eine Tür, die aus dem Raum herausführt, aber diese ist verschlossen. Dafür meldet sich nun der Computer mit der Stimme eines kleinen Mädchens zu Wort. Dieser beantwortet geduldig die Fragen der Gruppe, hängt allerdings an jede zweite Antwort ein "Wie fühlen Sie sich?" oder "Geht es Ihnen jetzt besser?" an. Hin und wieder kichert er auch verhalten. Die Gruppe nimmt das so hin - glaubt aber, dass etwas mit dem Computer nicht stimmt - und erfährt, dass sie sich auf einem Raumschiff befindet, welches die Menschen zwecks biologischer Repopulation zu einem weit entfernten Sonnensystem bringt, nachdem die Erde ausgelöscht wurde. Die Tentakelaliens seien "nur eine minderwertige Rasse, hihi", welche aber Menschen hasst. Sie seien außerdem dafür verantwortlich, dass der Energiekern beschädigt wurde und nun die lebenserhaltenden Funktionen des oberen Raumschiffteils ausfallen. Die Gruppe erklärt sich bereit, den Fehler zu beheben, auch wenn man skeptisch ist, was das Verhalten des Computers betrifft und vor allem, was die Zukunft der Menschheit angeht.

Mittlerweile sind auch weitere Erinnerungen zurückgekehrt: Wie an nichtmenschlichen Wesen Versuche durchgeführt wurden und wie die Menschheit schließlich aus Wasser und Luft zugleich angegriffen wurde. Wie schließlich Krieg ausbrach...

Man betritt also den Lift, der zum unteren Teil des Raumschiffes führt. Da die Verkleidung aus einem durchsichtigen Material ist, sehen sie bei der Fahrt den Weltraum und das riesige Raumschiff. Das löst natürlich Ehrfurcht und ein wenig Panik aus, allerdings hält sich diese Reaktion in Grenzen. Schließlich kommt man im Computerraum des unteren Bereichs an. Der Computer hier begrüßt sie mit einer männlichen Stimme und wirkt weniger überdreht wie der Computer oben, auch wenn er vorgibt, derselbe zu sein. Von diesem Computer, der schnell den Verdacht erweckt, verrückt zu sein, erfährt die Gruppe, dass sich etliche der feindlichen Aliens auf dieser Etage aufhalten. Im Energieraum müssen drei Kerne wieder in ihre Halterungen gebracht werden, dann sollte alles wieder funktionieren. Außerdem befänden sich am Ende des Ganges die Rettungskapseln. Schließlich müssen sich alle noch mit einer blauen Paste einreiben, die vor Strahlung schützt.

Der Gang ist leider voll mit Schleim und Alieneiern, die bei Näherkommen explodieren und sich an den Getroffenen klammern. Mit viel Geschick, Springen und Schlagen mit den Deckeln der Gehirnkanister kommen alle halbwegs unbeschadet durch. Michael wird von einem der Dinger befallen, aber die anderen können es rechtzeitig entfernen, bevor es mit ihm zu verschmelzen beginnt. Zwar wird kurz überlegt, einfach mit den Rettungskapseln zu fliehen, doch dann entscheidet man sich, dem Schiff doch zu helfen. Im Energieraum müssen drei schwere Kristalle wieder in ihre Halterungen gehoben werden. Bei dem Versuch fällt einer leider hin und bekommt einen ordentlichen Riss. Währenddessen drängt sich bereits eines der bösen Aliens an die Tür und versucht, diese aufzubrechen. Panisch richtet man alle Kristalle auf und schafft es dann, das Alien zu besiegen, doch hinter der Tür vom Computer-Hauptrraum - schräg gegenüber vom Energieraum - brechen bereits vier weitere durch. Michael, bereit für die anderen zu sterben, stellt sich den Kreaturen in den Weg und erschlägt sogar noch eins. Aus dem auf dem Weg liegenden Lagerraum nimmt sich Thomas eine Krone und ein Spielzeugauto mit, dann flüchtet man sich durch Schleim und explodierende Eier zu den Rettungskapseln, während die Aliens vorne im Gang Michael zerfleischen.

Jennifer und Thomas haben Glück, ihre Kapseln starten sofort. Jonathans leider nicht. In letzter Sekunde rettet er sich in die letzte verbliebene Kapsel und schließt diese, gerade als die Aliens in den Raum stürmen. Dann tritt Gas aus und alle werden in ihren Kapseln ohnmächtig.

Sie schlagen die Augen auf und sitzen in einem Fernsehstudio. Auf der einen Seite sitzen auf roten, protzigen Thronen diejenigen, die es in eine Rettungskapsel geschafft hatten. Sie werden als Gewinner bejubelt. Gegenüber steht ein schäbiger, blauer Klappstuhl, auf dem die zerfleichten Überreste Michael liegen. Thomas trägt stolz die Krone, die er gefunden hatte. Die Gewinner werden mit großem Applaus gefeiert. Ein Moderator tritt vor. "Na, hat Little Sister euch leiden lassen?" Neben ihnen sieht man nun die Studioräume, die mit Pappe das Innere des Raumschiffs zeigen und eine Röhre, um die ein Panoramabild mit Sternen verläuft, was der Aufzug gewesen ist. Fans jubeln den einzelnen Überlebenden zu und eine Zuschauerin ruft freudig Dankeshymnen an den, der die Krone gewählt hat. "Und jetzt zu euren Gewinnen, liebe Teilnehmer!"

Fazit

Das Szenario hat eine Menge Spaß gemacht. Zu Anfang rätselt man viel herum, was geschehen ist, im Gehirnraum denkt man zunächst an Mi-Go. Doch egal, was man mutmaßt, mit einer Fernsehshow hätte niemand von uns gerechnet. Tatsächlich spielt das Szenario in der Zukunft. Verbrecher und einige andere, die möchten, können an der Show Little Sister teilnehmen und werden dann mit falschen Erinnerungen durch ein gestelltes Szenario gejagt. Den Gewinnern wird ein Wunsch erfüllt, die Verlierer, sofern noch am Leben, gehen zurück in Haft. Zuschauer und Moderatoren durften die Rolle von Computer und Gehirnen übernehmen und Gegenstände platzieren. Hat ein Teilnehmer einen der Gegenstände aufgenommen, erhält der Zuschauer dafür eine Belohnung. Die Mutanten bzw. Aliens sind Obdachlose, denen viel Geld geboten wurde, wenn sie einen der Teilnehmer töten bzw. sind es teilweise auch Schwerverbrecher, denen die Todesstrafe droht. Sie wurden chirurgisch und genetisch verändert und mit Drogen vollgepumpt, sodass sie hyperaggressiv werden.

Die Idee war sehr unterhaltsam und bricht mit Erwartungen. Der SL kann mit Klischees spielen und nimmt quasi die Rolle des Moderators oder Filmteams ein, die alles so gestalten, dass es für die Zuschauer möglichst unterhaltsam wird. Die Fake-Erinnerungen waren eine spaßige Idee, allerdings sollten sie regelmäßig ausgeteilt werden. Ich hatte beispielsweise nur zwei, andere hatten vier oder mehr im Laufe des Spiels erhalten, würfelabhängig. Es wäre auch deutlich interessanter gewesen, wenn sich die Erinnerungen noch mehr auf die anderen Personen bezogen hätten, sodass in das ohnehin schon chaotische Geschehen auch noch persönliche Konflikte treten.

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