Dienstag, 18. September 2018

Cthulhu: Legs

Herrlich generisch und mit einer wiiiinzigen Prise Arachnophobie. Legs ist das, wonach es sich anhört. Aber dadurch macht es auch wieder Spaß. Wer keine Spinnen mag, sollte diesen Spielbericht lieber nicht lesen! Es wird achtbeinig.



Die Charaktere

Leyla: Studentin, liebt Horrorfilme und RPG.

Matthew: Highschool Lehrer um die 40, war Leylas Lehrer.

Jacob "J.B.": 26, Punker, gescheiterte Existenz.

Die Geschichte

Die drei sehr ungleichen Freunde sind gemeinsam auf einer Cthulhu-Convention in Chicago. Im Winding Hotel in der Nähe des Flughafens haben sie bereits zwei Tage verbracht und freuen sich auf den Höhepunkt der Veranstaltung: Ein gewisser Randy Padilla hat einen Fan-Film gedreht, der seit einiger Zeit unglaublich gehypt wird. Es gibt tausend Gerüchte, doch keine Gewissheiten. Heute Nacht soll es nun so weit sein und alle Con-Gäste strömen in den Vorführraum.

Nun ja, strömen tun sie eigentlich noch nicht. Sie stehen an und warten, dass sich die Türen öffnen. Während sie das tun, wird natürlich heftig spekuliert. Die Freunde kommen in Diskussion mit Mike, einem sehr seltsamen Typen im Cthulhu-Schlafanzug. Zusammen mit ihm und einem anderen Kerl, der absoluter Gore-Fan ist und auf jede Menge blutige Action hofft - und sich dadurch prima mit Jacob versteht - entspinnt sich eine kurze Diskussion über die Möglichen Inhalte. Man weiß lediglich, dass es um eine Expedition gehen soll, aber welche...? Berge des Wahnsinns? Dschungel-Exploration?

Dann endlich öffnen sich die Türen und einer nach dem anderen tritt in den Kinosaal. Drinnen hört man immer wieder Leute aufschreien und die Gruppe befürchtet einen billigen Erschreck-Effekt, womöglich eine kostümierte Person, die hinter dem Eingang wartet. Jacob geht natürlich zuerst - und wird im dunklen Saal mit einer Gummispinne beworfen. Da er Angst vor Spinnen hat, taumelt er kreischend zurück und flucht vor sich hin. Matthew nimmt das Spinnchen an sich und setzt es sich auf die Schulter, einfach, um J.B. zu ärgern.

Nachdem man Platz genommen hat, werden alle Zuschauer von Randy Padilla persönlich begrüßt. Bei ihm steht die extrem leicht bekleidete Lauren Richards, Hauptfigur des Films und Scream Queen in diversen drittklassigen Horrorfilmen. Überall im Raum wurden Gummispinnen und Netze aufgehängt und der Film wird passenderweise als "Legs" vorgestellt. Im Anschluss soll es eine Frage-und-Antwort-Runde geben.

Als der Film beginnt, wird schnell klar, dass es sich um einen Flopp handelt. Es geht um eine Expedition in Südamerika, die Forschergruppe ist auf der Suche nach einem Ort namens Leng und jeder trägt einen Stein, auf dem eine Spinne eingraviert ist. Die Handlung und auch die Herkunft der Steine wird nie erklärt. Die Kameraführung ist furchtbar, das Bild verschwimmt und ist verwackelt, die Dialoge sind grausam und der Dschungel ist ein kleiner Nadelwald, dessen markante Ecken man in etlichen Szenen wieder entdeckt. Manchmal läuft die Expedition vor etwas weg, was man nicht sieht oder kämpft gegen ebenfalls nie gezeigte Riesenspinnen. Und ganz plötzlich finden sich zwischendrin sehr realistische Szenen von auseinandergerissenen Körpern oder wie zwei Spinnenbeine aus der Brust eines Teilnehmers hervorbrechen. Dann sind die Überlebenden plötzlich in einem Tempel und nur Lauren schafft es in zerfetzten Kleidern und mit einem Haufen Spinnensteine wieder hinaus, während eine riesige Monsterspinne - die ebenfalls nicht gezeigt wird - sie verfolgt.

Als das Licht angeht, sind erst 52 Minuten vergangen, doch viele Zuschauer fühlen sich plötzlich übermäßig müde oder ihnen ist übel. Kein Wunder bei all den Ekelszenen. Matthew geht direkt ins Bett, Jacob und Leyla trinken noch ein paar Cocktails und hoffen, dass die verschwundenen Sternchen des Films zur versprochenen Fragerunde auftauchen. Jacob ist dabei sehr besessen von der Idee, dass die Todesszenen viel zu real aussahen und womöglich echt waren. Leyla tut das jedoch ab, vielleicht waren es ja Tiergedärme und gute CGI-Effekte. Als auch nach einer längeren Unterhaltung niemand aufkreuzt, geht Leyla schlafen und Jacob raucht noch einen Joint und nervt den schlecht gelaunten Barkeeper, ehe auch er sich zurückzieht.

Mitten in der Nacht erwachen Leyla und Matthew durch einen Schmerz und entdecken an sich winzige Spuren wie von einem Insektenstich. Dann ertönt plötzlich ein lauter Schrei und die Gruppe schreckt auf. Schnell wird sich angezogen - J.D. pfeift sich auch noch etwas Speed rein - und nachgeschaut. Es kam aus dem Nebenzimmer, dessen Tür jedoch verschlossen ist. Mit vereinter Kraft brechen die drei Freunde und Mike, der ebenfalls erwacht ist, die Tür auf. Dann flackert plötzlich das Licht und nur die Notstrombeleuchtung geht noch. Nur mit Taschenlampe und Handy bewaffnet schleichen sie voran und entdecken Lauren im Zimmer. Sie liegt tot am Boden, umgeben von einem Kreis aus Blut und einigen Kerzen. Ihr Körper ist übersäht mit eitrigen Blasen, die wohl aufgeplatzt sind, woran sie verblutet sein muss. Mike übergibt sich in der Toilette und Matthew verlässt schnell den Raum, um ein Telefon zu suchen.

Als er eines findet, stellt er jedoch fest, dass die Leitung tot ist. Leyla entdeckt derweil eine Kamera, auf dem der Tod der Schauspielerin festgehalten wurde. Diese hat sich in den Kreis gestellt, nur in Unterwäsche, wobei man einige dunkle Beulen an ihrem Körper sehen kann. Randy hat ihr einen Stein mit einem Spinnensymbol, ähnlich dem aus dem Film, entgegen gehalten und seltsame Wörter in einer fremden Sprache gemurmelt. In diesem Moment brechen dutzende kleine Spinnen aus den Beulen ihres Körpers. Man hört Randy noch schreien: "Scheiße, der Stein sollte uns doch schützen!" Dann rennt er weg. Die Kamera bleibt an Ort und Stelle liegen. Jacob findet tatsächlich den Stein, den der Kameramann fallengelassen hat und steckt ihn vorsichtshalber ein. Seine These, dass alles echt war, scheint sich zu bewahrheiten.

Nun bekommt es Leyla allmählich mit der Angst zu tun. Sie erwähnt den Biss und befürchtet nun, ihr könnte etwas Ähnliches widerfahren wie Lauren. Jacob bekommt davon ziemliche Angst und beginnt, sich auszuziehen, um sich selbst nach einem Biss zu untersuchen. Und dann erklingt auch noch aus dem Lüftungsschacht im Badezimmer das Geräusch hunderter krabbelnder Insekten. Die Gruppe flüchtet ohne Mike und wird auf dem Flur Zeuge, wie nach und nach einige Personen aus ihren Zimmern kommen. Manche haben nur Schmerzen, bei anderen zeigt sich deutlich eine dicke, dunkle Pustel wie bei der Toten und auch bei Leyla und Matthew beginnen sich die Einstichstellen leicht zu wölben.

Während einige andere zum Treppenhaus fliehen, schaut Matthew nach draußen und entdeckt, dass dort völlig andere Sterne zu sehen sind als normalerweise. Da sie sich derzeit im zehnten Stockwerk befinden, ist es jedoch keine Option, aus dem Fenster zu springen. Jacob und Leyla steigern sich derweil in ihre Angst hinein. Jacob ersticht in blinder Panik einen Mann mit einer kurz vorm platzenden Pustel. Leyla dagegen versucht mit einer Nagelschere, das heranwachsende Tierchen in ihrem Arm herauszustechen, woraufhin sich dieses nur noch tiefer in ihr Fleisch hineingräbt. Kreischend schnappt sie sich eine Axt aus dem Brandschutzkasten. Da sie es nicht selber kann, bittet sie schließlich Jacob, ihr den Arm abzuhacken, doch bevor er dies tun kann, hört man von der anderen Seite des Flurs Insekten auf sich zukommen.

Die drei Freunde fliehen zur nächsten Treppenhaustür, doch diese lässt sich nicht öffnen. Nur mit vereinter Kraft lässt sie sich etwas aufziehen - und offenbart ein Netzwerk klebriger Fäden, in denen sich etwas bewegt. Gerade noch rechtzeitig können sie die Tür schließen, als etwas von innen dagegen knallt. Matthew schnappt sich einen Feuerwehrschlauch, schlägt ein Fenster auf der Innenseite des Flurs ein und beginnt, hinunterzuklettern. Leyla folgt ihm, Jacob dagegen bleibt zurück, weil er noch etwas untersuchen will. Tief unter sich, etwa auf Höhe des dritten Stockwerks, befindet sich die Decke des Atriums, auf der die zermatschte Leiche von Randy Padilla liegt. Er muss in seiner Panik hinuntergesprungen oder gestürzt sein.

Leider kann Leyla sich nicht halten, rutscht ab und fällt. Matthew versucht, sie festzuhalten, schafft es jedoch nicht und sie stürzt schreiend in die Tiefe. Matthew selbst klettert bis in den fünften Stock, wo er auf eine ziemlich große Spinne trifft. Als diese ihn entdeckt, beschießt sie ihn mit einem klebrigen Faden und zieht ihn zu sich heran. Mit der Feuerwehraxt schlägt er wild um sich, verletzt sich dabei aber mehr selbst als die Spinne, welche ihn schließlich vollkommen einspinnt.

Jacob findet derweil eine verwirrte junge Frau im Gang, die ebenfalls eine Pustel auf dem Bauch hat. Da er sich Laurens Spinnenstein geschnappt hat, testet er dessen Wirkung an ihr: Er presst den Stein gegen die Pustel und versucht, Randys Worte zu wiederholen. Nichts passiert. Die Frau, Sam, ist völlig verwirrt, folgt dem Fremden jedoch, als die Spinnen auf sie zukommen. Sie fliehen in ein freies Treppenhaus und eilen nach unten. In einer Biegung hängt jedoch ein kaum sichtbares Spinnennetz. Jacob kann ihm gut ausweichen, doch Sam bleibt darin kleben. Da sich von oben sogleich eine Riesenspinne nähert, lässt Jacob die Frau im Stich und rennt weiter.

Etwas weiter unten trifft er einen anderen Überlebenden, der völlig verstört ist. Als Jacob auch ihn mit dem Stein "behandeln" will, tickt der Fremde völlig aus und will auf den Punker losgehen, doch der reagiert blitzschnell und schlitzt dem Angreifer mit seinem Taschenmesser die Kehle auf. Auf sich allein gestellt rennt er bis nach unten ins Erdgeschoss und öffnet die Tür zum Atrium. Was er dort sieht, raubt ihm jegliche Hoffnung.

Eine gigantische Spinne hängt an der Decke, ihr Gesicht ist teilweise menschlich. Überall liegen eingesponnene Personen und Riesenspinnen bringen minütlich neue Opfer für Atla-Nacha. Dieser Weg wird ihn nicht in die Freiheit führen. Stattdessen dreht er sich um und versucht, durch die Feuertür hinter sich nach draußen zu gelangen. Doch die Tür lässt sich nicht öffnen. Von oben hört er zwei Spinnen näherkommen und intensiviert daher seine Versuche noch, doch es hat keinen Zweck. Wissend, dass sein Schicksal sehr unangenehm sein wird, wenn die Biester ihn lebend bekommen, schlitzt sich Jacob selbst die Kehle auf.

Fazit

Das Szenario lässt sich prima in ein paar Stunden durchspielen. Je mehr Mitspieler man hat, desto einfacher ist es natürlich, immerhin kann man sich besser unterstützen. Bei uns war es gelaufen, als Jacob oben zurückgeblieben und Leyla abgestürzt ist. Die Charaktere, die danach dazukamen, hatten nur eine kurze Lebensdauer und im Alleingang hatte Jacob kaum eine Chance. Er hätte es aber tatsächlich schaffen können, hätte er die Tür am Ende aufbekommen! Vielleicht hätte er auch einfach aus dem fenster im 1. oder 2. Stock springen sollen.

Die Geschichte des Szenarios ist an sich sehr einfach gestrickt, macht aber trotzdem Spaß. Spinnen ordnet man eher nicht Lovecraft zu, daher denkt man zu Anfang, der Film diene nur der Verwirrung und erwartet etwas völlig anderes. Natürlich hat man schnell den Verdacht, an dem Film könne etwas Wahres dran sein, aber natürlich denken die meisten Leute in einer normalen Welt, dass so etwas nicht sein kann.

Insgesamt darf man Legs nicht zu ernst nehmen. Spaß macht es aber auf alle Fälle.

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