Dienstag, 27. Juni 2017

Was ist "Geh nicht in den Winterwald?" bzw. "Don't walk in Winter Wood"

Eigentlich wollte ich euch diesen Artikel ja erst am Donnerstag zeigen, aber da wir heute die 10.000 Besucher Grenze geknackt haben, ziehe ich ihn einfach mal feierlich vor! Vielen Dank also an alle, die regelmäßig vorbeischauen! Hier kommt ein neues "Was ist..."!

Aktuell ziemlich gefragt ist das frisch aus dem Englischen übersetzte Erzählrollenspiel "Geh nicht in den Winterwald". Das Original heißt "Don't walk in Winter Wood". Mittels Vorbestelleraktion wurde das Regelwerk von System Matters übersetzt und erhält außerdem in naher Zukunft noch einige Zusatzszenarien, die es im Englischen nicht gibt, die allerdings auch erst geschrieben werden müssen. Das Büchlein hat etwa 70 Seiten und wurde im gleichen Querformat gedruckt wie schon Kagematsu.

"Geh nicht in den Winterwald" ist quasi ein Lagerfeuerrollenspiel bzw. Gruselgeschichtenspiel. Die Regeln sind extrem simpel und es eignet sich hervorragend, um es sich bei Nacht an einem prasselnden Feuer zu spielen. Aber der Reihe nach.

Was ist der Winterwald?

Das Setting spielt in der Besiedlungszeit Amerikas, man spielt also die erwachsene Siedler (nur in speziellen Szenarien auch mal Kinder), die in einem kleinen Dorf in der Nähe des verrufenen Winterwaldes leben. In diesem Wald ist es immer kälter als außerhalb, woher er auch seinen Namen erhalten hat. Viele Legenden ranken sich um ihn und es sind keine guten. Immer wieder sind Menschen, die hineingegangen sind, schreckliche Dinge widerfahren oder sie kamen nie mehr zurück. Aus Gründen, die das jeweilige Szenario vorgibt, muss die Gruppe den Winterwald betreten und dort etwas tun. Im Gegensatz zu Ten Candles können die Charaktere übrigens sogar überleben.

Die Regeln

Ihr braucht einen W6, das Regelwerk und für jeden Mitspieler 6 Kältemarker. Besagte Kältemarker können auch Papierschnipsel oder Kieselsteine sein, eben was gerade zur Hand ist, im Dunkeln aber halbwegs sichtbar sein sollte. Sobald die Charaktere den Winterwald betreten, erhalten sie ihren ersten Kältemarker. Jede Probe wird mit dem W6 gewürfelt. Um einen Erfolg zu haben, muss man eine höhere Augenzahl würfeln, als man Kältemarker hat. Zu Anfang reicht es also, eine 2 oder mehr zu würfeln, später wird es immer schwieriger. Zusätzliche Kältemarker erhält man, wenn man besonders wichtige Proben nicht schafft und dadurch mehr friert, sich verletzt oder wahnsinniger wird, weil man etwas Furchtbares gesehen hat.

Erzählt wird übrigens immer in der Vergangenheitsform und in der dritten Person singular, also "Er sah sich um", "Sie kauerte sich ängstlich hinter den Baum." usw. Hintergrund des Ganzen ist, dass die Spieler quasi nacherzählen, was angeblich im Winterwald vorgefallen sein soll, sie spinnen also weitere Gerüchte um diesen unheimlichen Ort.

Das Spiel

Im Regelwerk finden sich einige Kurzgeschichten zum Vorlesen vor jedem Szenario, um sich auf das Spiel einzustimmen. Die Szenarien selbst sind jeweils nur eine Seite lang und beinhalten alle wichtige Informationen. Der SL kann natürlich nach Belieben noch Details hinzufügen, in einigen Fällen muss er das vielleicht sogar, weil viele Geschehnisse nicht näher im Szenario erklärt werden. Eine Spielrunde dauert ungefähr eine Stunde, lässt sich also super zwischendurch einschieben. Auch muss sich der SL nicht vorbereiten, es reicht, das Abenteuer kurz zu lesen.

Fazit

Ein sehr schönes System, welches eine Menge unheimlicher Geschichten ohne große Vorbereitungszeit bereithält. Es geht schnell und super einfach, ist also auch für Anfänger geeignet und zum Heranführen an die Welt der RPGs. Die Zusatzszenarien von System Matters werden das Spiel noch um einige eher europäische Mythen und Märchen ergänzen.

Eine schöne Idee zu dem System kam von einer Mitspielerin: Statt die Szenarien nur als lose verknüpfte Oneshots zu betrachten, kann man eine Langzeitgeschichte daraus machen. Neue Charaktere wissen von den Charakteren, die man zuvor gespielt hat und erleben die Auswirkungen von deren Kontakt mit dem Winterwald mit. So kann man zumindest ein paar Zusammenhänge zwischen den Szenrien herstellen und die Mysterien vielleicht besser und tiefer ergründen.

Ich empfehle dieses System auf jeden Fall weiter. Es ist einfach, super für zwischendurch und es lassen sich problemlos auch mal zwei oder mehr Szenarien hintereinander spielen, ohne dass der Gruselfaktor abnimmt, da die Erlebnisse im Wald sehr unterschiedlich sind. Ich kann mir gut vorstellen, dass es sogar langlebiger ist als Ten Candles.

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