Sonntag, 10. April 2016

Ein schwieriger Fall

Nachdem sich die beiden Streithähne zerstreut haben und wieder einmal Kaori Mao sie beobachtet hat, wird es etwas ruhiger. Überall hängen Lampions, auch da, wo in der Nacht die beiden Diener am Werkeln waren. Immer mehr Gäste treffen ein, zu deren Unterhaltung nun ein paar kleinere Wettbewerbe anfangen.

Sakura sucht lieber etwas Zerstreuung im Garten und wird dabei auf ein paar spezielle Lichter aufmerksam, Kerzen mit einer lotusförmigen Umhüllung. Sie sind noch nicht entzündet und sind wohl, wie Sayuri ihnen erklärt, für das Fest der 100 Lichter und Geschichten vorgesehen. Dies ist ein weit verbreitetes Fest zur Volljährigkeitsfeier: Sobald es dunkel wird, erzählt jeder Gast eine Geschichte und zieht dann hinaus in den Garten, um eines der Lichter zu löschen. Sind alle Lichter erloschen und alle Gäste wieder versammelt, so entzündet ein Magier die Lampions und das Feiern beginnt.

Tetsuya nutzt die bis dahin verbleibende Zeit, um durch den Garten zu flanieren und ein paar Kartentricks zu üben, wobei er darauf achtet, dass möglichst ein paar Damen ihn sehen können. Zu seinem Leidwesen spricht ihn jedoch keine darauf an. Am Nachmittag schaut unser Grüppchen einem Magiewettbewerb zu, wo sie erfahren, dass Sajni Lung ein Lichtmagier ist und Itayu Yaotl Luftzauber beherrscht. Dann endlich beginnt das Fest und alle versammeln sich am Koiteich. Haki, zu deren Ehren es gefeiert wird, darf die erste Geschichte erzählen und die ist natürlich Kitsch pur! (Die Blicke meiner Spieler sprachen: Echt jetzt?!? OMG!) Gegen Ende sind dann die Charaktere selbst an der Reihe, unwissend, dass in der zunehmenden Dunkelheit ein Mord geschehen ist, den noch niemand mitbekommen hat. Tetsuyas Geschichte spricht von seinem minimalen Größenwahn. Sie erzählt von einem Mann, der mit der Regierungsweise der Reichen nicht zufrieden ist, anfängt, eine Gruppe Kinder und anderer Gefolgsleute um sich zu scharen und schließlich sein eigenes Reich gründet. Es erinnert doch arg an die Teilung Talais durch den Heerführer Xa Lun und Tetsuya erntet einige ungläubige und böse Blicke. Hotaru dagegen gibt nur einen seiner Sprüche zum Besten, den man bestenfalls als hochnäsig bezeichnen kann und über den einige nur den Kopf schütteln.

Kurz nachdem nun das letzte Licht erloschen ist, gibt es plötzlich ein lautes Platschen und Hahoru Ryuk schreit, ein Monster habe ihn angegriffen. Es bricht natürlich Panik aus. Hotaru sieht sich die Wunde an, während Tetsuya und Sakura sich umsehen, wobei sie feststellen, dass Shuichi, der am Morgen noch Streit mit dem Verletzten hatte, fehlt. Sofort wird vermutet, dass er etwas mit dem Anschlag zu tun hätte. Dann erfahren sie auch noch, dass Kaori gefangen genommen wurde, die sich im Zimmer des Verdächtigen herumgetrieben hat. Tetsuya hat sich unterdessen Itayu aus der Menge herausgepickt, da diese nicht ganz so erschrocken wirkt wie die anderen. Sie ist der Meinung, dass der Angriff vermutlich durch die Dienerin von Kaori ausgeführt wurde, da niemand eine Kreatur gesehen hat und die Frau Schattenmagie beherrscht, wie man bei dem Magierwettbewerb gesehen hat.

Soweit, so rätselhaft. War es nun Shuichi? Oder die Mao mit ihrer Dienerin? Aber das wäre zu einfach. Die Mao-Familie ist für Spionage und andere düstere Taten zuständig, doch so etwas traut Sakura, die ja für einen Zweig der Familie arbeitet, ihr nicht zu. Nein, sie meint, die Familie sei nur das perfekte Alibi. Und überhaupt, warum würde jemand genau zu einer Volljährigkeitsfeier solche Unruhe stiften? Möglicherweise versucht jemand, den Klan, bei dem man hier zu Gast ist, zu diffamieren. Über den verschiedenen Möglichkeiten brüten hilft heute nicht mehr weiter. Man begibt sich zu Bett. Da derzeit wie gesagt niemand aus dem Samusa-Klan in der Stadt ist, wurde Sayuri als enge Freundin der Familie gebeten, zu helfen und das tut sie natürlich auch - bzw. ihre Bediensteten.

Am nächsten Morgen ist Shuichi noch immer verschwunden, aber die Wachen haben Blut im Garten gefunden. Unsere drei Ermittler, denn dem guten Li Jiebo sind die ganze Aufregung und die vielen Leute nicht gut bekommen, schauen sich die Stelle also an und finden tatsächlich einen Busch, an dem Blut klebt und der etwas zerwühlt aussieht: Abgeknickte Zweige und da... da hat doch etwas gelegen. Natürlich sieht das nur der Priester, der sogleich beginnt, Tetsuya zu belehren, dass dieser doch Alor mehr huldigen müsse, um auch solche Einsichten zu erhalten. Während sie also über Religion diskutieren, spaziert Sakura zum Koiteich und taucht eine Runde, in der Hoffnung, dort Hinweise auf das Monster zu finden, doch da ist nichts. Als sie etwas durchnässt zurückkehrt und fragt, was die Männer gefunden haben, erhält sie die Antwort: "Da im Busch lag irgendwas. Vielleicht war es eine Kiste." "Eine kleine Kiste", wirft Tetsuya ein. "Vielleicht aber auch eine Katze", sagt nun wieder Hotaru. "Oder eine Katze auf einer Kiste." "Oder IN der Kiste. Vielleicht war sie tot oder lebendig oder beides." (Glücklicherweise haben sie nicht auch noch vermutet, der Besitzer der Katze hieße Schrödinger...) Sakura schaut einmal hin, würfelt hervorragend und meint: "Da lag ein Dolch, an dem Blut klebte." Betretenes Schweigen.

An einem Baum in der Nähe finden sie ebenfalls Blut und als Tetsuya hinaufklettert, findet er dunkel gefärbte Seile und eine Art Winde. Von dort aus führen leichte Blutstropfen von Baum zu Baum in Richtung des Gästehauses, in dem auch sie geschlafen haben. Auf dem Dach finden sie die übel zugerichtete Leiche von Shuichi. Es sieht aus, als hätten ihn Vögel zerhackt. Bei genauerem Untersuchen stellen die Spieler fest, dass auch hier ein Seil befestigt gewesen sein muss und dass der Tote erst nach seinem Tod so verunstaltet wurde. Rätsel über Rätsel. Mittels Heilkunde stellt Hotaru fest, dass er wohl gegen Mitternacht umgekommen sein muss. "Ich verstehe das nicht", murrt Tetsuya. "Wozu diese Seile?" "Na, um den Toten hochzuziehen und aufs Dach zu schleppen." Immerhin hatten sie genügend Material dazu in den Bäumen gefunden. "Aber so, wie der aussieht, hat ihn vielleicht doch so ein Monster angefallen." Fragen über Fragen. Hier kommt man nicht weiter, also beschließt man, Kaori zu befragen, die ja beschuldigt wird.

Nein, sie sei es nicht gewesen. "Und doch sitzt Ihr hier. Sprecht die Wahrheit, dann wird Alor Euch gnädig sein." Jaja, unser herzallerliebster Priester. Doch die Mao beharrt auf ihrer Unschuld und Sakura verteidigt sie vehement. Kaori erzählt, sie habe einen Brief von Hahoro erhalten, in dem er sie bat, als Vermittlerin bei der Versöhnung mit Shuichi anwesend zu sein. Natürlich sollte das während der Feier in Shuichis Zimmer stattfinden. "Das war ganz klar eine Falle, Mao-sama. Wie konntet Ihr darauf hereinfallen?", fragt Sakura entsetzt. "Ich habe dies ebenfalls vermutet und bin früher gegangen, um die Lage abzuklären. Nur kamen genau dann zwei Wachen um die Ecke." Eine Falle also. "Dürfen wir den Brief haben?" "Aber natürlich." Und sogleich erlaubt Kaori der Gruppe, ihr Zimmer zu durchsuchen, wobei sie eine Krallenwaffe finden, die zu Hahoros Wunden passen würde. Diese hier ist allerdings vollkommen neu und noch nie benutzt worden.

Dann geht es weiter zu Hahoro, der natürlich sehr verstimmt ist, dass ausgerechnet das Dienstvolk eines kleinen Klans zu ihm kommt. "Fragen? Wenns unbedingt sein muss..." Schnell ist klar, dass der Mann etwas verbirgt. Leider kommt niemand dahinter, was. Er streitet jedenfalls jegliche Beteiligung ab. Selbst Hotarus Beschwörungen, Alor fände die Wahrheit schon heraus, helfen nichts. Der Krieger bleibt stur. Schlussendlich beschließt die Gruppe, mal nach Jiebo zu sehen und danach ein paar Schriftproben zu vergleichen. Irgendwer muss den Brief ja geschrieben haben.

Fazit: Ich habe vor diesem Szenario noch nie etwas Derartiges gemacht, von daher war es interessant für mich, zu sehen, wie gut die Spieler damit klarkommen bzw. wie schwierig sie es finden. Es war sehr schön zu beobachten, wie sehr sie sich in den Fall vertieft haben und was für Theorien sie aufgestellt haben. Dass sie nach dem Fund der Leiche tatsächlich noch an ein Monster glaubten, fand ich beispielsweise überraschend, da sie ja über die Seilwinde bescheid wussten. Hätten sie es nicht versäumt, Hahoros Raum auch noch zu durchsuchen, wären sie vielleicht auch noch in dieser Runde auf des Rätsels Lösung gekommen, denn der hatte dämlicher Weise die Krallen, mit denen er sich selbst verletzt hatte, um Verwirrung zu stiften, noch in seinem Zimmer liegen. Den gesamten Ablauf gibt's aber erst nächstes Mal. Insgesamt hat es der Gruppe Spaß gemacht. War nur wieder schade, dass uns quasi die eine Stunde, die wir noch gebraucht hätten, gefehlt hat.

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