Montag, 29. Februar 2016

3 Avatare und ein Politiker

Dieses Szenario lässt sich sowohl als Oneshot, als auch zum Einstieg in eine Kampagne nutzen. Wir haben es als Oneshot gespielt und etwa 3 Stunden dafür gebraucht. Die Idee ist an die Filme Speed und Being John Malkovic angelehnt. Gespielt haben wir nach Nemesis-Regeln.

Szenario: Being Bundesaußenminister

Die Charaktere
Alex Müller: Avatar des Märtyrers (bekommt Bonuswürfel bei misslungenen Aktionen, dafür dann aber auch Schaden). Er ist links und schon ein wenig radikal
Obsession:  Hoch die internationale Solidarität
Wut: Imperialisten
Furcht: Menschenexperimente
Tugend: Advocatur Diaboli

Gustav "Gans" Bernbacher: Ein Avatar des Narren (findet nützliche Sachen, kann seinen Schaden auf andere umleiten, ist aber dumm und naiv). Der gute Mann ist Bayer, der CSU zugetan und folgt der typischen Stammtischpolitik.
Obsession: Regeln
Wut: Ausländer
Furcht: Veränderungen
Tugend: Umweltschutz

Jasmin Broman: Avatar des Demagogen (kann die Meinung der Menschen leicht beeinflussen und spüren, an was Personen glauben). Eine junge Studentin mit Grünen Ansichten.
Obsession: Frieden
Wut: Umweltsünder
Furcht: Armee
Tugend: Konfliktlösung

Die Geschichte
Die drei Charaktere haben sich mittels Fahrerzentrale zusammengefunden, um gemeinsam von Frankfurt nach Berlin zu fahren. Ihre Gründe sind recht unterschiedlich. Es ist der Tag der G7 und natürlich läuft entsprechend das Radio. Hin und wieder werden Berichte gesendet, denen wir mit halbem Ohr zuhören. Dabei entspringt sich eine kleine Diskussion über Umweltschutz und Krieg, wobei jeder von uns ziemlich unterschiedliche Meinungen hat. Wir sind schon eine Weile unterwegs, als plötzlich eine Meldung kommt, der Gipfel sei schon seit zwei Tagen vorbei, was uns ziemlich irritiert. "Schreiben die ernsthaft ihre Berichte schon vorher? Wie armselig ist das denn?" Dann laufen wieder normale Nachrichten und wir gehen einfach davon aus, dass es sich tatsächlich nur um einen Irrtum gehandelt hat.


Und dann, plötzlich, ist er da. Auf dem Rücksitz neben Alex sitzt auf einmal eine vierte Person, die irritiert wirkt. Gustav, der am Steuer sitzt, sieht ihn im Rückspiegel, schreit und verreißt vor Schreck das Lenkrad. Glücklicherweise bekommt er das Auto schnell wieder unter Kontrolle. Der Fremde ist ebenso nervös wie wir, meint aber, wir sollten Ruhe bewahren. Dass er dabei eine Pistole auf den Fahrer richtet, macht die Sache nicht leichter für uns. Mit Jasmins rednerischem Geschick kann er aber beruhigt werden. "So und jetzt nochmal: Wer sind Sie und wie sind Sie hier rein gekommen?" "Na, ihr habt mich vorhin an der Ausfahrt mitgenommen. Ihr sollt mich zur nächsten Polizeistation bringen." Wir sind völlig verdattert, denn keiner von uns kann sich an den Vorfall erinnern und Gustav meint, er würde niemals Anhalter mitnehmen. Das Gespräch kommt zu keinem vernünftigen Ergebnis, nur, dass der Fremde, Herr Meiser, dringend zur Polizei will, um ein wichtiges Beweisstück abzugeben. Im Radio läuft derweil die Rede Steinmeiers, der irgendwie schneller als gewohnt redet. Und Alex hört das Schlagen eines Herzens unglaublich laut, sodass er sich kaum auf irgendetwas konzentrieren kann.

"Zeigen Sie mal, was für ein Beweisstück das sein soll", fordern Gustav und Alex, Jasmin sträubt sich dagegen. Sie will mit der Sache nichts zu tun haben. Trotzdem offenbart Meiser, was er gefunden hat: In einem Glas schwimmt ein menschliches Herz, ein schlagendes Herz. Ein schlagendes Herz, an dem ein Kompass befestigt ist, der wild hin und her zittert. Jasmin muss sich bei diesem Anblick übergeben, während Gustav versucht, sich und das Auto unter Kontrolle zu halten. "Das habe ich bei Steinmeier gefunden. Ich arbeite da seit Kurzem als Wachmann und hatte Hunger. Und im Kühlschrank stand dieses Ding! Wir müssen zur Polizei, dieser Mord muss aufgeklärt werden!" Nun, da sind wir alle einer Meinung und halten Ausschau nach der nächsten Ausfahrt, die leider auf sich warten lässt. "Machen sie schneller!", kreischt Meiser und fuchtelt wieder mit der Waffe. "... und wir müssen unbedingt die Waffengesetzte verschärfen ...", klingt es aus dem Radio, was wir im Streit und beiden Versuchen, Meiser zu beruhigen, nur am Rande mitbekommen.

Und dann ist da auf einmal diese alte Frau auf der Straße. Keine Ahnung, wo die plötzlich herkommt. Gustav lacht und meint: "Die fahr' ich um!" Sein Plan ist eigentlich nur, ganz dicht an ihr vorbeizufahren. "... die Sicherheit auf deutschen Straßen ...", redet Steinmeier. Wir schreien und Gustavs Manöver klappt leider nicht, wie gedacht. Mit einem heftigen Knall und Ruck fliegt die alte Frau über die Motorhaube und landet irgendwo neben dem Auto. Gustav lacht wie irre. "Was ist denn jetzt mit Steinmeier los? Wieso lacht er auf einmal?", fragt einer der Kommentatoren. "Quicksave! Wo bleibt mein Stern?", fragt Gustav. "Wir haben die Ausfahrt verpasst!", stellt Alex fest. Jasmin ist noch völlig starr vor Schreck. "Soll ich wenden?", fragt Gustav. Wir protestieren, doch er tut es trotzdem. Mitten auf der Autobahn dreht er um und schafft es irgendwie, dabei mit keinem anderen Wagen zusammenzustoßen. 'Vorsichtigerweise' fährt er auch auf dem Standstreifen. "Was passiert denn jetzt? Verstehst du, was er da sagt?" "Nein, ich glaube, er spricht rückwärts", hören wir die Kommentatoren im Radio. Nun ist es uns allen klar: Dieses Herz scheint mit Steinmeier verbunden zu sein und das, was hier geschieht, wirkt sich auf den Politiker aus.

Lachend erfreut sich Gustav an der Situation, während Alex nun versucht, Meiser das Herz abzunehmen, doch der will es nicht hergeben. Für ihn ist es noch immer ein Beweisstück und auch Jasmin unterstützt ihn. Sie will einfach nur dieses Ding loswerden. Mit lautem Hupen kommen uns Autos entgegen und recht schnell wird eine Warnung über einen Geisterfahrer im Radio durchgegeben. Vergeblich bittet Jasmin Gustav, umzudrehen. "Haha, das Ding ist lustig. Ich will mal was versuchen: Schmeißt alle Ausländer raus!", grölt Gustav und tatsächlich bringt Steinmeier sogleich eine ähnliche Aussage. "Yeah, so ein geiles Spiel!" Jetzt ist der Fahrer völlig durchgedreht. In der Ferne hört man das Geräusch etlicher Motorräder, die schnell näher kommen und bald sehen wir eine Gang, die sich direkt auf uns zubewegt. "Dreh um, dreh um!" Mit quietschenden Reifen legt Gustav eine Wendung hin, rammt dabei jedoch einen Lastwagen. Wir werden gut durchgeschüttelt, Meiser wird kurz bewusstlos und Alex schnappt sich das Herz und die Pistole und will eigentlich aus dem Auto springen, doch die Situation macht dies nicht sonderlich leicht. "Quickload! Quickload!", kreischt Gustav.

Mit quietschenden Reifen fahren wir wieder los und in Anbetracht unserer Verfolger ist es nun Alex, der mit der Waffe dazu antreibt, schneller zu fahren. "Aber das ist nicht gut für die Umwelt", gibt Gustav zu bedenken. Alex holt nun das Herz aus dem Glas, es ist von einer Art Gelee umgeben. Er richtet die Pistole darauf. Jasmin schnallt sich ab und will nach hinten klettern, der Schuss fällt, die Kugel bleibt im Gelee stecken und Gustav verreißt wegen dem Kletterakt das Lenkrad. "Quickload!" Da die Gang näher kommt, kurbelt Alex das Fenster herunter und schießt, doch ein eiskalter Blick von einem der Fahrer (Avatar des Henkers) lässt ihn völlig erstarren. Jasmin puhlt die Kugel aus dem Gelee. "Ja, das ist cool! Quicksave!", kommt es von Gustav. Wir ziehen Alex zurück ins Auto, wo er langsam wieder zu sich kommt.

Gustav gibt nun Gas und fährt den Verfolgern ein bisschen davon, Alex will ihn mit der Pistole aber dazu zwingen, anzuhalten. Der Fahrer tut ihm den Gefallen, indem er eine Vollbremsung hinlegt. Zwei Motorradfahrer düsen an uns vorbei, zwei weitere fahren voll auf. "Quicksave." Mit dem Herz in der Hand springt Alex aus dem Auto und will auf das Herz schießen, Meiser rennt panisch davon und Jasmin nutzt ihre Fähigkeiten, um ein paar anrückende Biker fortzuschicken. "Oh mein Gott, was ist passiert? Steinmeier ist einfach umgefallen, ist er ohnmächtig? Nein, jetzt steht er auf und - er geht einfach weg? Und jetzt telefoniert er!", hören wir noch den Kommentator. Unsere Handys klingeln. Gustav und Jasmin gehen ran. "Sind Sie für dieses Chaos verantwortlich?", schreit Steinmeiers Stimme uns an. "Wir haben hier dieses Herz und der Typ will es erschießen!", jammert Jasmin. "WAS? Nein, halten Sie ihn auf! Ich geben Ihnen alles, was Sie wollen!" "Ich versuchs ja!"

Alex drückt ab, doch in diesem Moment setzt Gustav zurück und fegt ihn dadurch von den Füßen. Jasmin sucht unterm Auto das Herz, Alex rappelt sich auf und Gustav fährt wieder los. In der Ferne erklingen Polizeisirenen. "Yes! Erster Stern!" Dann sitzt plötzlich Steinmeier neben ihm im Wagen. "Wo ist das Herz?" Jasmin rennt auf das Auto zu, während Alex versucht, auf Steinmeier zu schießen. Eine Kugel trifft den Politiker auch, doch die anderen gehen daneben, als der Wagen losfährt. "Nein, nein, nein, fahren Sie zu der Frau!" Jasmin rennt noch immer hinter dem Auto her und Gustav fährt tatsächlich zurück. Die Studentin überreicht das Herz und Steinmeier verschwindet. Als die Polizei eintrifft, werden wir erst einmal festgenommen. Gustav freut sich nur über seinen dritten Stern und spricht einfach mit der Polizei, als sei er im Spiel GTA. In den Nachrichten wird kurz darauf eine Nachricht gebracht, ein paar Studenten hätten einen politischen Anschlag vorgehabt. Glücklicherweise hält Steinmeier Wort und hilft uns wieder raus. Und vielleicht haben wir die Chance, politisch in gute Positionen zu kommen....

Fazit: Sehr lustiges Szenario. Es wird relativ schnell klar, was es mit dem Herzen auf sich hat, was vielleicht den ein oder anderen langweilen mag, aber es eröffnet auch viele Möglichkeiten. Man könnte nämlich auch mit dem Herzen abhauen und Steinmeier manipulieren, während der einen jagt. Besonders witzig war Gustavs Durchdrehen. Dieses Szenario eignet sich außerdem prima für Leute, die ein bisschen PvP mögen, denn jeder Charakter kann hier eine andere Agenda verfolgen und jeer versucht irgendwie, das Herz zu bekommen. In einer zweiten Runde ist dies auch viel stärker geschehen. Wir hatten etwas andere Avatare, die noch mehr mit Worten manipulieren konnten, entsprechend wanderte das Herz dauernd hin und her. Ende vom Lied war, dass das Herz zertreten wurde - wodurch Steinmeier faktisch tot ist - und diejenigen, die nicht aus dem Auto geflüchtet sind, aus einem Helikopter heraus erschossen wurden. Insgesamt lädt das Szenario zu viel Interaktion zwischen den Spielern ein, während der SL kaum Arbeit hat und die Möglichkeiten des Ausgangs sind mannigfaltig.

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