Dienstag, 26. Januar 2016

Eine Runde Weiberterror

Gestern Abend haben wir eine sehr nette Runde Cthulhu gespielt. Für die Ahnungslosen: Cthulhu ist ein Rollenspiel, das an die Romane von Lovecraft angelehnt ist. Es geht um Grusel, Horror und oft um überweltliche Wesenheiten.

Wir haben Der Club der Witwen gespielt, wer also vorhat, das Szenario selbst noch zu spielen, der könnte hier gespoilert werden und sollte lieber aufhören zu lesen.

Idealerweise spielt man das Szenario mit 4 Frauen, da es eben um 4 Witwen geht. Das Abenteuer wurde auch von einer Frau geschrieben und es geht um die bekannte Stutenbissigkeit, um Intrigen und Neid, also genau das Richtige für die Damenwelt ;-) Wir hatten auch 4 Frauen parat, leider hat eine davon den Termin verpeilt und wir mussten schnell noch Wrens Freund als Notfallbesatzungsmitglied an Bord holen. Er hat die Rolle auch super gespielt.

Im Italien der 20er Jahre hat der charmante Matteo, Notar der verstorbenen Ehemänner der Witwen, die Damen nach und nach miteinander bekannt gemacht und führt nun alle vier regelmäßig zum Essen aus. Die Damen sind alle sehr angetan von dem netten Mann und da er auch noch reich und somit eine gute Partie ist, wetteifern sie darum, wer ihn für sich gewinnen kann. Dabei hat jede von ihnen ein kleines Geheimnis: 2 der Damen haben längst mindestens eine heiße Liebesnacht mit Matteo verbracht und eine von ihnen ist dabei schwanger geworden. Die anderen beiden sind eigentlich ein lesbisches Pärchen, dessen Geheimnis von Matteo bewahrt wird - er hat sogar geholfen, den Ehemann einer dieser Ladies unter die Erde zu bringen! Natürlich wissen die Frauen untereinander nichts davon.

Die Rollen
Gräfin Raffaela: Gespielt von mir. Sie hat bereits mit Matteo geschlafen. Ich stelle sie ein wenig altbacken und hochnäsig dar.
Guida: Gespielt von Wren. Sie ist lesbisch und hat ihren Ehemann ermordet. Eine moderne, selbstbewusste Frau.
Georgia: Guidas heimliche Liebesbeziehung.
Alda: Gespielt von Wrens Freund. Natürlich hat er die Schwangere bekommen. Hat er aber gut dargestellt.

Das Spiel
Das Ambiente ist herrlich: Unser Spielleiter hat eine schwarze Tischdecke auf dem Tisch ausgebreitet, eine spiegelnde Schale mit süßem Gebäck aufgestellt und orientalischen Tee mit Kandisstäbchen zum Süßen hingestellt. Die Spielerinnen haben sich aufgehübscht und im 20er-Jahrestil gekleidet. Unser Abenteuer beginnt mit einem Treffen mit Matteo in einem neuen, angesagten Teehaus, wo sogleich fleißig geflirtet und gezickt wird. Da kommt schonmal der süffisante Kommentar der altmodischen Gräfin Raffaela an die neumodisch mit Hemd und Hose gekleidete Guida: "Naja, dieser moderne Kram war ja schon immer dein Metier." Dann wird der Fächer aufgeschlagen, um den verachtenden Blick zu verbergen. Dann dreht sich das Gespräch aber bald wieder um andere Dinge: Den neusten Liebesroman, Sternenkonstellationen, Aldas schwächliche Konstitution und Matteos neuste Anschaffung, ein Pferd.

Zwei Tage später, es ist übrigens November und schneit bereits ziemlich, warten die vier Damen in ihrem üblichen Restaurant auf Matteo, doch nach einer Stunde des Wartens und Bangens taucht er noch immer nicht auf. Die anderen Gäste tuscheln längst, vier Damen einfach so allein zu lassen gehöre sich nicht, aber vielleicht sei Matteo des Haufens auch überdrüssig geworden und man solle die Damen doch wegschicken, um ihnen weitere Peinlichkeiten zu ersparen. Die Gräfin muss fast weinen vor Scham, doch die anderen beruhigen sie noch. Dann stürmt plötzlich Matteos Chauffeur herein und verkündet den Witwen, Matteo sei bei einem Reitunfall ums Leben gekommen. Der Schock ist groß, Georgia erleidet einen plötzlichen Gehörverlust und die Gräfin fällt in Ohnmacht.

Gleich am nächsten Tag fahren die Witwen zum Gut Matteos, um ihm die letzte Ehre zu erweisen und bei der Beerdigung am Folgetag dabei zu sein. Außer ihnen gibt es keine weiteren Gäste, nur der Chauffeur und die Haushälterin Rosa sind noch da. Zumindest glauben wir das. Unsere Charaktere stehen also am Sarg und betrauern den Verlust dieses wundervollen Mannes, schauen sich die Gemälde an der Wand an, auf denen Matteo auffällig oft vor einem Spiegel steht, wir sind gerade bei einer Diskussion, als sich der SL erhebt und das Zimmer verlässt. Vermutlich zur Toilette, denken wir, doch dann reißt er plötzlich die Tür wieder auf und erzählt mit lauter Stimme (wir haben uns alle tierisch erschreckt!): Plötzlich wird die Tür aufgerissen und Matteo kommt eleganten Schrittes in den Raum. Erfreut begrüßt er euch: "Ah, meine Damen, Bella, schön, dass Sie alle hergekommen sind!" Verwirrung macht sich breit, für einige Sekunden ist niemand von uns in der Lage zu sprechen. Ist das eine Rückblende? Eine Illusion? Matteo ist doch tot! Zögernd fragt Georgias Spielerin: "Der liegt jetzt im Sarg UND steht vor uns?" "Genau!", ist die Antwort des SL. Wir schauen uns an, dann stellt eine der Witwen die Frage: "Äh, verzeihung, aber wer sind Sie?" "Na, Leonardo! Hat mein Bruder Ihnen denn nichts von mir erzählt?" Aha! Ein Zwillengsbruder also. Verwirrung und Trauer vermischen sich etwas und Leonardo läd die Damen zum Abendessen ein. Er ist Arzt aus Mailand und quasi das Spiegelbild seines verstorbenen Bruders, ebenso charmant und irgendwie scheint er alles über die Frauen zu wissen, was Matteo auch wusste (sind sie vielleicht ein und dieselbe Person? Ist Leonardo ein magisch lebendig gewordenes Spiegelbild, das sein Original ersetzt hat?). Abgesehen davon macht er merkwürdigste Andeutungen. "Ich weiß, wie Sie es gern mögen, Gräfin." Ein kurzer, entsetzter Blick meines Charakters. "Haha, na das Essen natürlich!" Und dann der Höhepunkt: "Alda, meine Teuerste, Sie müssen mehr essen. Sie werden es ja demnächst brauchen." Alle Blicke richten sich auf Alda, die plötzlich nervös beginnt, herumzudrucksen. Glücklicherweise, oder seine Freude an der Situation habend, entschuldigt sich Leonardo kurz auf die Toilette.

"Alda?!" Sofort wird sie belagert, was das denn heißen solle. Und schließlich rückt sie auch mit der Sprache heraus: Sie ist schwanger von Matteo. Oder von Leonardo? Jetzt, wo sie ihn gesehen hat, ist sie sich nicht mehr so sicher. Wir beginnen uns anzugiften darüber, was nun aus Alda werden soll und ob Leonardo und Matteo nur ein Spiel mit uns getrieben haben. Guida versucht zwar, auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben, doch die Unsicherheiten der anderen sind übermächtig. Die Gräfin kocht innerlich vor Wut! Sie hatte sich als Matteos Favoritin gewähnt, vielleicht hätte er sie ja sogar geheiratet! Wie kann diese ******** es wagen...! Sie weiß nicht, auf wen sie wütender sein soll. Eigentlich sollte sie jetzt andeuten, was zwischen ihr und Matteo gewesen ist, doch vielleicht hat er auch die anderen beiden so hintergangen. Vielleicht werden sich die drei anderen bis aufs Blut bekriegen und sie selbst wird am Ende als Siegerin hervorgehen und Leonardos Herz gewinnen, mit dem sie während des Essens schon ein wenig mit den Augen geflirtet hat. Letztendlich geht jede von uns schlafen und erwacht tief in der Nacht von Alpträumen geplagt durch einen lauten Schrei. Guida träumt, wie sie ihren Mann ermordet und dann von den Zwillingen erpresst wird, Raffaela träumt davon, wie sie und Matteo von Leonardo erhängt werden und Alda sieht im Traum, wie die beiden ihr das Kind aus dem Leib schneiden. Erschrocken und aufgewühlt wollen die Frauen nachsehen, wer da geschrien hat, bemerken dabei auch, dass sie eingeschneit sind. Der Schrei stammte von der Haushälterin, Rosa, die an die Decke starrt, wo in Blut geschrieben steht: Wer aus dem Alptraum erwachen will, muss ihn selbst erleben. Gruseligerweise sind auch die Augen des Toten, der dort aufgebahrt liegt, aufgerissen und sein Gesicht ist zu einer Fratze verzerrt. Georgia, die Medzin studiert hat, stellt schließlich fest, dass Rosa ebenfalls tot ist. Raffaelas ist es, dass wir gestorben sind, unsere Alpträume wirklich geschehen sind und unsere ruhelosen Seelen nur noch nicht realisiert haben, dass wir ins Himmelreich auffahren sollten.

Völlig entsetzt und noch unter Schock stehend beschließen wir, Hilfe zu suchen, doch Matteos Schlafzimmer, in dem wir Leonardo nun vermuten, ist leer. Stattdessen finden wir ein sich bewegendes Foto, einen Revolver und merkwürdige Notizen, die darauf hindeuten, dass die Zwillinge einer Legende nachjagen, in der einer das Angebot der Unsterblichkeit ausschlägt, um noch zwei Tage mit seinem toten Zwillingsbruder verbringen zu dürfen. Seltsam. Wir gehen in ein Nebenzimmer, das plötzlich aufgegangen ist (dumme Idee in Cthulhu!). Dann fängt auf einmal ein Klavier an, von selbst zu spielen. Von selbst? Wer seinen Verborgenes erkennen Wurf schafft, kann das Grauen leider sehen: Eine verzerrte Gestalt, deren Gliedmaßen sich ineinander winden und sich gelenklos drehen, hämmert auf die Tasten ein und sie scheint uns hämisch anzulächeln, dann verschwindet sie und das Klavier verstummt. Wir fühlen uns immer schwächer, fliehen kopflos in den Gang und versuchen, uns etwas zu fangen. Nachdem wir uns dann aber doch noch einmal genauer umsehen, finden wir Hinweise darauf, dass die Brüder etwas ganz Furchtbares planen. Sie wollen ein Ritual vollführen, für das sie uns vier brauchen - als Opfer an Geminorium. In einem Buch stoßen wir auf eine andere Version der Zwillingslegende, nach der der eine Bruder den anderen tötete, um vom Dämon Geminorium die Unsterblichkeit zu erhalten. Teufelswerk! Wir müssen Weihwasser suchen! Und solch heidnische Rituale finden doch in Schauergeschichten immer im Keller statt, also wollen wir den Keller suchen. Auch der Hinweis, dass der Bruder, der sich geopfert hat, den Körper des anderen schützt, fällt uns in die Hände. Für uns bedeutet das: Wir müssen die Leiche Matteos finden und die seltsamen Symbole, die auf seinen Körper gemalt wurden, abwischen - oder mehr...

Wieder am Aufbewahrungsort seiner Leiche müssen wir jedoch mit Schrecken feststellen, dass diese fort ist. "Oh Gott, da wandelt ein Toter durchs Haus!" Panik macht sich breit. Wir suchen den Keller, doch vergebens, als wir von oben Türen auf und zuschlagen hören und schließlich vernehmen wir das Weinen des Chauffeurs. Er ist unsere einzige Chance, also eilen wir zu ihm, gerade noch rechtzeitig, um zu verhindern, dass er sich erhängt. Schluchzend beichtet er uns, er habe von diesem grausigen Plan gewusst und könne es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, dass uns etwas zustoße. Wir setzen eilig noch einmal alle Puzzelstückchen zusammen und erfahren dann, dass er die Leiche in einen geheimen Kellerraum gebracht hat. "Führen Sie uns hin, aber dalli! Ich habe die Pistole, ich kann damit umgehen!" Guida ist willensstark und fest entschlossen, dem ein Ende zu setzen. "Denk dran, du musst auf Matteo schießen. Leonardo wird unverwundbar sein", warnen wir noch einmal, dann geht es los. Zügig steigen wir hinab in den finsteren Keller, wo uns Leonardo auch schon erwartet. Zu seinen Füßen die Leiche seines Bruders, der sich für seine Unsterblichkeit geopfert hat, ruft er Geminorium an. Als wir eintreten, ist er völlig entspannt und fühlt sich sicher. "Ah, meine Damen, ich habe Sie ja gar nicht erwartet. Sie können hier gar nichts ausrichten." Die Gräfin, wissend, was nun kommt, schlägt ihren Fächer vors Gesicht. Ohne weitere Kommentare zielt Guida auf den Kopf Matteos und drückt ab. Die Kugel dringt ein - und Leonardos Kopf explodiert. Sie zielt aufs Herz und drückt noch einmal ab. Unsere letzte Kugel. "Aber... ich wollte euch die Unsterblichkeit schenken", röchelt der Sterbende. Leonardo sackt tot zusammen. Mit schreckgeweiteten Augen muss die Gräfin mitansehen, wie Geminorium, unsichtbar für die Augen der anderen, die beiden Brüder in sich aufzusaugen scheint und dann verschwindet. Der Anblick ist zu viel für sie, der Wahn überwältigt Raffaela. Die Witwen haben überlebt, der Preis war der Mann, den sie so gemocht, teilweise sogar geliebt haben.

Fazit: Ein ziemlich gelungener Abend. Der einzige Mann hat die Schwangere super gut verkörpert, besonders die Sorge um das ungeborene Kind. Der Zickenterror, auf den unser SL gehofft hatte und den ich mir Raffaela hätte auslösen können, blieb leider größtenteils aus, da wir recht schnell beschlossen, dass wir zu gute Freundinnen sind, um uns von einem miesen Kerl hinters Licht führen zu lassen. Vor allem, da der ja eindeutig versuchte, uns einem Dämon zu opfern und außerdem ein mieses Spiel mit uns spielte, indem er seinen Bruder mit uns anbändeln ließ. Betrogen schloss sich also der Club der Witwen zusammen, um den gemeinsamen Feind zur Strecke zu bringen.
Besonders hängen geblieben ist uns die Szene, in der unser SL uns alle erschreckt hat, indem er einfach durch die Tür gestürzt kam. Die Runde war ziemlich spaßig, nicht zu gruselig, aber dennoch spannend und leider viel zu schnell vorbei. Es hätte ruhig länger gehen können.
Schön fanden wir auch den Einstieg mit dem passenden Gebäck, welches später einem schweren Kerzenständer mit schwarzen, heruntergebrannten Kerzen weichen musste, die unsere einzige Lichtquelle waren, während unsere Charaktere durch das dunkle, nächtliche Anwesen Matteos irrten.

Das Szenario wurde übrigens inspiriert vom Film The Prestige oder Prestige - Der Meister der Magie. Ein übrigens sehr lohnenswerter Film, wenn man sich nicht von der Verwirrung zu Anfang abschrecken lässt.

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